Fakten zum Mond
Über die Entstehung unserer Sonne, ihrer Planeten und deren Monde sind wir relativ gut informiert.
Vor 4,57 Milliarden Jahren gab es eine rotierende Scheibe aus Gas und Staub nicht im Zentrum, eher in einer geschützten Nische unserer Galaxie. Aus ihr entwickelte sich unsere Sonne mit den Planeten, taumelnd von Drehimpulsen, Fliehkräften, unvorstellbaren Dichten und zunehmendem Strahlendruck, der der Gravitation entgegenwirkte, so dass im Lauf der Zeit ein stabiles Sonnensystem mit damals neun Planeten entstand.
Wir sind uralter Sternenstaub. Als lebende Organismen gab’s uns damals noch nicht. Es war auch noch keineswegs sicher, dass wir eine Chance bekommen sollten. Die Erde war der Venus recht ähnlich. Ähnlich groß, ähnlich sonnennah. Nur, dass die Venus so lebensfeindlich ist, wie ein Planet nur sein kann. Die Sonne erblickt nie den Boden der Venus, so undurchlässig ist das giftige Gewölk aus CO2 und Schwefelsäure.
Warum sind wir ein blauer, lebendiger Planet und die Venus nicht?
Zufall, höre ich sagen.
Unser Planet Erde in Protoform hatte noch keinen Mond. Er brauchte jedoch einen, um lebendig werden zu können. In dieser Welt der Zufälle und Wunder war das nicht schwer: Die Erde stieß ca. 50 Millionen Jahre nach ihrer Entstehung mit einem Himmelskörper namens Theia zusammen, der groß war wie Mars, etwa ein Zehntel so schwer wie die Erde. Er raste aus dem All auf Geisterbahn heran und schlug in flachem Winkel ein. Ein gewaltiger Aufprall! Er verwandelte die Erdkruste in einen See geschmolzener Lava und jagte eine Fontäne aus Gas und flüssiger Materie Zehntausende von Kilometern in den Weltraum. Dort kreisten diese Katastrophen-Trümmer um die Erde und verdichteten sich, von der Schwerkraft aufeinander zugetrieben, zu einem neuen Himmelskörper: Dem Mond.
Er kann als Geschwister der Erde bezeichnet werden, denn er besteht aus Erde vor dem Zusammenprall mit Theia.
Wie leicht hätte Theia auf ihrem Flug die Erde knapp verfehlen können. Oder sie hätte sie nur leicht gestreift wie ein flüchtiger Sturmwind. Oder aber sie hätte sie voll ins Zentrum getroffen. Jedes Mal wäre die Chance der Erde auf Leben ausgelöscht gewesen. Der Mond wäre nicht entstanden oder in einer Größe, die ihn zu Bedeutungslosigkeit verurteilt hätte. Der gefundene Aufprallwinkel war entscheidend. Auch für die Bildung von Schwermetallen, die der Erde sonst gefehlt hätten.
Erde und Mond – das ist keine sanfte Geschichte. Aber eine mit einem happy ending, zumindest, was den Anfang betrifft: Erde und Theia wurden eins. Der Mond entstand und erwies sich als ganz außerordentlich hilfreich, ja essentiell wichtig für die Entstehung von Leben.
Zuerst allerdings nicht. Er sauste so dicht an der Erde vorbei, dass er vierzigmal so groß war wie heute. Seine Anziehungskraft auf die Meere lässt sich kaum vorstellen. Er kam damals fünf Mal am Tag! Computer-Simulationen machen deutlich: Ohne ihn würde die Achse der Erde zwischen 0 und 85° schwanken. Die Erde damals war dem unwirtlichen Mars von heute ähnlich, dessen Achse um 60° schwankt. Unsere Eiszonen wären geschmolzen, unsere tropischen Zonen erfroren. In den Sommern würde bei 60° die Sonne nie untergehen, in den Wintern herrschte Finsternis. Es gäbe auf der Erde Wüstensand und Eis nebeneinander. Eben wie auf Planet Mars.
Kein Leben.
Doch unser Mond wandelte sich. Er wurde mit den Jahrmillionen zum großen Stabilisator. Er ging allmählich auf Distanz zur Erde. Ursprüngliche 20 000 km Abstand wurden zu sehr verlässlichen 360-400 000 km heute. Still steht er natürlich nie, so still er aussehen kann. Er rotiert nicht nur ununterbrochen, er entfernt sich jedes Jahr ein klein wenig von uns, doch das wird erst in ferner Zukunft zum Tragen kommen. Wir dürfen im Moment auf seine Geduld setzen, die uns beschützt.
(Von den langlangen Gewohnheiten unserer Sonne an anderer Stelle.)
Wir leben in einem höchst kunstreich geschaffenen Garten Eden.
Wir sind lebendig vernetzt mit dem Universum, wir bewegen uns im selben Rhythmus wie alle anderen Sonnensysteme bzw. Galaxien, kosmische Winde beeinflussen die niederen Wolken, die um unsere Erde ziehen und die über Wärme und Lichteinfall entscheiden hier und jetzt.
Der Mond ist die große Chiffre unserer Vernetzung.
Die Wissenschaft, die ihn lang verspottet hat als bloße Materie, als toten Mond ohne eigenes Licht, auf dem man sogar ungestraft herumspazieren könne, sie gibt inzwischen zu, dass er für das Leben auf unserer Erde essentiell ist. Man könnte sagen: Essentiell wie eine Gottheit.
Dieses Zugeständnis hat einen Schönheitsfehler.
Wissenschaft kann Mythen zerstören, das beweist sie immer wieder.
Sie kann jedoch einem Mythos kein neues Leben einhauchen. Hat es noch nie getan.
Das müssten wir schon selbst tun.